Saturday, October 29, 2005

Gespräche

Auf einer Party in Stendal haben wir einen Profi kennengelernt:ca. 28 Jahre, ehem. Filmstudent in Braunschweig. Mit offenen Ohren und Augen ließen wir uns über Ausstattung und Vorgehensweise belehren:
1. Fröhlich drauflos Drehen macht schon Spaß, aber der Tipp (ok, für Christian: "Tip"), ein genaues storyboard anzufertigen, ist schon mal viel wert: D.h., dass man immer genau weiß, welche Einstellung als nächste folgt, damit man eine logische Abfolge hat...viel Arbeit, klar. Vielleicht was für Anna-Laura...? :-)
2. Wir haben eine 1-Chip-Kamera. Das bedeutet, schwache Farben. Gerade für Bollywood aber braucht man tolle, leuchtende Farben. Eine 3-Chip-Kamera wäre ideal, ist aber für uns (noch) nicht erschwinglich.
3. Wir haben ein Fotostativ. Die Begutachtungen unserer ersten Aufnahmen vom 23.10. hat ergeben: Die schön gemeinten Schwenks ruckeln dermaßen, dass man gut die Hälfte der Szenen nicht verwenden kann. Ein gutes Stativ kostet ab 500€ aufwärts. Man kann indes mit einem billigen Stativ auskommen, wenn man um den Führhebel ein Gummiband macht, und vorsichtig daran zieht. Außerdem müssen wir es leichtgängiger machen. Ölen?
4. Wir haben also nicht unsere Traumausrüstung. Bliebe noch sich diese zu mieten; z.B. beim offenen Kanal! Dieser kleine Sender in Berlin soll günstig Ausrüstung verleihen. Also bessere Kamera, gutes Stativ, etwas Licht und Ton. Andernortens soll es das schon ab 80€ geben...
Auf ihrer homepage okb.de stehen aber nur infos, wie man für den okb was drehen kann.
Christian ist da jedenfalls ziemlich skeptisch: selbst wenn man da ne tolle Kamera und alles kriegt, dann muss man das irgendwo auf nem hightech-Rechner schneiden, legen und fönen, d.h. sich einen Schnittplatz mieten...also, mein Rechner macht sowas nicht mit (80GB-Festplatte, 100GB extern mit einer Verladegeschwindigkeit von 100MB/30 min (von intern--> extern u.U.), 1,2 Gigaherz, 512 RAM (erweitert, immerhin...) Neenee, aber heutzutage ist das ja fast nix mehr- schon gar nicht für einen Film! Wir sind halt keine Profis und haben dementsprechend auch kein professionelles Budget. Aber wir haben unsere Idee, die entweder wichtiger ist als alle Technik, oder nicht gedreht werden braucht.
Aber wir werden auf den Gummiband-Tip zurückgreifen (ist ja immerhin ein 0-Budget-Film, und so ein Gummiband hab ich noch irgendwo in der Küche...)

Tuesday, October 25, 2005

Der erste Drehtag

Eigentlich habe ich ja im Augenblick gar keine Zeit: die Herbstferien sind gerade vorbei, der nächste Unterrichtsbesuch droht, der ganze Stress, den man eben als Referendarin so am Hals hat...Christian schreibt sein Mathediplom... aber es sollte endlich losgehen! Und so standen Anna-Laura und Magnus am Sonntag Punkt 14h vor unserer Tür. Nach genauerer Einsicht in das Drehbuch fanden wir immerhin 3(!) Szenen, die wir in unserer Besetzung gleich drehen konnten (Ich bin auf keinem der Fotos, weil ich sie alle gemacht habe!).
Also hier von links: Magnus (als Lakshman), Christian (als Kameramann) und Anna-Laura (als Kala), aufgenommen gestern in meinem schönen Innenhof im Prenzlberg.



Dann ging es auch schon los: Magnus muss einen Brief mit einem wichtigen Horoskop fälschen. Das ist in indischen Filmen häufig Thema, man muss sich nämlich vorher in den Sternen lesen lassen, ob man überhaupt und wann man heiraten sollte. Das war nach einigem hin-und her schließlich im Kasten, wobei Magnus, der aus Schweden kommt und ein Jahr Erasmus in Berlin macht, sein schauspielerisches Talent durchaus unter Beweis stellen konnte. Hier sitzt er an meinem PC; wo er die Tat vollbringt...
Dann brauchten wir eine völlig andere Szene: Kala schwebt in Gefahr: wird sie sich aus dem Fenster stürzen?? Wir probten die Szene kurz in meinem Zimmer, und stellten dann fest, dass eine Selbstmorddrohung auf einem Fensterbrett zu ebener Erde nicht besonders dramatisch wirkt:





Jedoch kam bald die zündende Idee: Magnus Wohnung in Friedrichhain verfügt über einen Zugang zum Dach, von dem sich tragischer Weise letztes Jahr schonmal ein Selbstmörder hat fallen lassen. Unerschrocken erklommen wir dennoch die eisernen Stufen und hatten sogleich einen wundervollen Blick über die Stadt. Von hier aus wirkte Kala auch schon gleich viel gefährdeter:







Hier filmten wir so lange die
verzweifelte Kala, bis der große Regen kam. Nach anfänglicher Improvisation wo Schauspieler schonmal zu Regencapehaltern
umfunktioniert wurde, mussten wir dann angesichts des monsunartigen Wetters aufgeben...bei einer Tasse indischem Tee( nein, ok, es war Roibush!) sah man sich nochmal die Ergebnisse des ersten Drehtages auf LCD-Bildschirm an. Wir sind sehr gespannt darauf, wie und wann es weitergeht...




Das Projekt

Eigentlich hatte Anna-Laura als erste die Idee, einen Bollywoodfilm zu drehen. Zusammen mit Anna, Christian und seit neuestem mir gehört sie zu den großen Anhängern dieser gefühlsbetonten Filme aus Mumbai, (ehem. Bombay) und so dachte sie sich eines Tages: So was kann ich auch! An einem Nachmittag, als sie und Christian in der Uni in Adlershof rumhangen mit ihren Matheaufgaben mal wieder nicht weiterkamen, fingen sie einfach aus heiterem Himmel an, ein Drehbuch zu schreiben. Die Handlung ist natürlich extrem verwickelt, aber im wesentlichen mit einer typischen Bollywoodhandlung vergleichbar: 2 Menschen lieben sich, einer der beiden soll aber anderweitig verheiratet werden, der aber wiederum von einer anderen Person geliebt wird. 2 Frauen und 2 Männer stehen also im Mittelpunkt der Handlung, dann erfolgt eine Entführung, eine aufreibende Suche nach der Entführten...ob's ein Happy-End gibt, soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden! Jedenfalls soll das ganze natürlich mit schönen Liedern und Tanzszenen angereichert werden, hierbei komme ich ins Spiel: neben einer der weiblichen Hauptrollen bin ich für die Musik und die Tänze zuständig. Das wird eine Menge Arbeit werden, schließlich sollen die Lieder ja auch indisch klingen...in welcher Sprache gesungen werden soll ist noch nicht völlig geklärt! Kameraführung und Coregie macht Christian, Anna-Laura also Drehbuch, 2. weibliche Hauptrolle und ebenfalls Regie, Anna eine weibliche Nebenrolle, Magnus männliche Hauptrolle, ach ja, der Kameramann spielt auch mit...
Hier ein Aufruf an alle: Da dies ein low-budget, um nicht zu sagen null-budget Film wird (solche werden aber immer noch mit durchschnittlich 10 000$ veranschlagt!) sind wir noch für jeden Produzenten zu haben! Wir zeigen auch eure Reklame im Film oder singen euren Produktnamen...Auch tanzende Komparsen sind erwünscht. Aerobic und andere Tanzerfahrung wäre sinnvoll!